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Branchenorganisation Milch: Wichtigste Frage noch ungelöst
21.09.2009 – (lid) – Der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) ist an seiner Sitzung vom 18. September auf die Umsetzung des Modells zur Mengenregelung im Milchmarkt eingetreten, das bereits bei der Gründung der Organisation vorgestellt worden war.
Ungeklärt bleibt vorerst die wichtige Frage, ob bei den Referenzmengen für die Vertragsmilch Mehrmengen eingeschlossen sind oder nicht. Darüber gab es auch innerhalb der Produzentenvertreter in der Branchenorganisation Meinungsdifferenzen. Eine Arbeitsgruppe soll das System in den Details möglichst rasch konkretisieren, damit die Branchenorganisation beim Bundesrat ein Gesuch um Allgemeinverbindlichkeit stellen kann. Laut dem BOM-Präsident Hansjörg Walter ist das Ziel, innerhalb von vier Wochen einen Entscheid zu fällen.
Die Branchenorganisation hat ferner den Richpreis für Molkereimilch für das letzte Quartal 2009 auf 62 Rappen pro Kilogramm Milch festgelegt, was einer Erhöhung um 0,4 Rappen entspricht. Dies sei möglich aufgrund der leicht verbesserten Aussichten auf den internationalen Märkten.
Schliesslich sollen rund 3'500 Tonnen Butter abgebaut werden. Die Kosten dafür betragen 20 Millionen Franken und werden zwischen Bund, Verarbeitern und Milchbauern aufgeteilt.
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) bezeichnen die Entscheide der Branchenorganisation als "Schritt in die richtige Richtung". Mit dem Abbau der Butterlager könne das Risiko weiterer Preissenkungen ausgeschlossen werden. Weitere Entscheide, insbesondere zu den Referenzmengen, müssten nun aber rasch folgen. Die SMP selber setzt sich für eine Referenzmenge ohne Mehrmengen ein.
Empört reagiert hingegen die Bäuerliche Organisation BIG-M auf die Beschlüsse der Branchenorganisation. Einmal mehr sei der Entscheid, ob die Milchmenge nach den Entscheiden der SMP-Delegiertenversammlung geregelt werde, auf die lange Bank geschoben worden. Die Milchbauern seien deshalb gezwungen, "das Heft selber in die Hand zu nehmen." BIG-M werde sich deshalb an dem Bauernaufstand, der sich in Europa von Tag zu Tag ausweite, beteiligen. Einen konkreten Aufruf zum Milchboykott macht BIG-M jedoch nicht.
Milchbauern blockieren mit Traktoren Zugänge zu Milchverarbeiter
Estavayer-le-Lac FR (sda) Rund 100 Milchbauern haben am Montagmorgen mit ihren Traktoren die Zugänge zur Milchverarbeitungsfirma ELSA in Estavayer-le-Lac FR blockiert. Die grösstenteils aus der Region stammenden Bauern folgten einem Aufruf der Bauerngewerkschaft Uniterre.
Das Unternehmen ELSA gehört der Migros und zählt zu den grössten Michaufkäufern in der Schweiz. Wie Uniterre-Sekretärin Valentina Hemmeler der Nachrichtenagentur SDA sagte, konnten die Lastwagen wegen der Blockade nicht mehr zu der Firma gelangen und mussten umkehren.
An den Traktoren waren Slogans angebracht wie "Bauern-Aufstand"
oder "Die Kleinen krepieren, die Grossen werden fetter". Die Kundgebung für höhere Milchpreise verlief friedlich. An einer Versammlung am Dienstag wollen die Milchbauern über das weitere Vorgehen beschliessen.
(sda - gaj rs su/bsd079/in/4/Milchmarkt/090921 1205)
